TiKoPLUS - Tierwohl, Kompetenz, Lernortkooperation
Im Oktober 2024 startete das neue InnoVET PLUS-Projekt „TiKoPLUS – Tierwohl, Kompetenz, Lernortkooperation“. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Tierwohl des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau und dem Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover, werden bis Ende 2027 zwei Hauptziele verfolgt:
- die tierwohlorientierte und pädagogische Professionalisierung des Bildungspersonals und
- die Etablierung einer Lernortkooperation innerhalb der landwirtschaftlichen Ausbildung.
Hintergrund
Tierwohl ist aus gesellschaftlicher Perspektive sowie politisch flankiert von steigender Bedeutung und Tierschutz ist schon seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert (Art. 20a GG). Landwirt/-innen befinden sich momentan mit einem Wandel konfrontiert: die Nachfrage nach nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln – vor allem tierischen Ursprungs – und die Anforderungen an das Tierwohl sowie umweltgerechtes Wirtschaften steigen. Und auch das Wirtschaften mit einer auf Tierwohl ausgerichteten Nutztierhaltung sowie technische Entwicklungen im Rahmen der digitalen Transformation, bringen einige Herausforderungen mit sich. Umso wichtiger ist es, angehende Landwirt/-innen in der landwirtschaftlichen Ausbildung dahingehend weiterzubilden. Dies bedeutet auch stetig steigende Anforderungen an fachliche, überfachliche sowie digitale Kompetenzen der Lehrenden. Die Professionalisierung des Lehrpersonals kann dazu beitragen, die Qualität im Bereich didaktischer Lehr-Lernkonzepte weiter zu erhöhen. Ebenfalls kann die Berücksichtigung von und der Umgang mit Tierschutz und Tierwohl stärker in die Ausbildung integriert sowie methodische und inhaltliche Anforderungen eines digitalisierten Medieneinsatzes gefördert werden.
Das Projektvorhaben
Insbesondere für Erkenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten tierwohlorientierten Handelns in der Nutztierhaltung ist der Lerntransfer von Lehr-Lerninhalten auf die Praxis in einem hohen Maße bedeutsam. Im Rahmen der beruflichen Ausbildung ist es ausschlaggebend, das Bildungspersonal zu befähigen, didaktisch und methodisch begründet in Ausbildungssituationen zu handeln. Das InnoVET PLUS-Projekt „TiKoPLUS – Tierwohl, Kompetenz, Lernortkooperation“ wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert. Mit dem Programm InnoVET fördert das BMBFSFJ bundesweit Projekte mit dem Ziel, die Attraktivität, Qualität und Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung zu steigern. Durchgeführt wird das Programm vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Bis Ende 2027 werden zwei Innovationsziele angestrebt: die tierwohlorientierte und pädagogische Professionalisierung des beruflichen Bildungspersonals durch kostenfreie Workshopangebote sowie die Etablierung einer regionalen Lernortkooperation zwischen Berufsschulen, Überbetrieblichen Bildungszentren und Betrieben. In dem Projekt TiKoPLUS werden kompetenz- und anwendungsorientierte Bildungsmodule und Lehr-Lernsituationen für ein präventiv orientiertes Tierwohlmanagement entwickelt. Diese sollen zum Beispiel den Umgang mit Rindern und Schweinen, das frühzeitige Erkennen von Tierwohlproblemen oder auch eine strukturierte Tierwohlplanung umfassen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden in die berufliche Ausbildung sowie in die Lehr-Lern-Settings übertragen und sollen im Rahmen der Lernortkooperation verankert werden. Im Verlaufe des Projekts soll eine Toolbox entstehen. Das Bildungspersonal wird befähigt diese Tools einzusetzen, um lern- und kompetenzförderliche Lehr-Lernsituationen zu gestalten. Das Projekt unterstützt die Landwirtschaft, sich in Richtung Tierwohl und Nachhaltigkeit weiter zu entwickeln, und ebnet den Weg für eine zukunftsfähige, tierwohlorientierte berufliche Ausbildung für Landwirt/-innen.
In einem ersten Schritt wird in Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieben erhoben, wie die Ausbildung aktuell auf den Betrieben gestaltet wird. Um möglichst breitgefächerte Praxiseindrücke sammeln zu können, möchten wir Sie und Ihren Ausbildungsbetrieb (Rind/Schwein) kennenlernen! Wenn Sie diese Thematik betrifft und Sie einem unverbindlichen Gespräch mit uns offen gegenüberstehen, melden Sie sich gerne. Für Interessensbekundungen schauen Sie gerne auf unserer Website https://www.lwk-niedersachsen.de/lwk/vera/10831_TiKo_PLUS_-_Ausbildungsbetriebe_gesucht vorbei oder melden Sie sich direkt bei uns! Lassen Sie uns die Zukunft und die landwirtschaftliche Ausbildung gemeinsam aktiv gestalten!
Lernen Sie auch unsere Partner kennen:
- die Arbeitsgruppe Tierwohl des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau
- das Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover
Neuigkeiten aus dem Projekt:
Juli 2026:
Lernortkooperation im Fokus der Berufsbildungsforschung: InnoVET PLUS-Projekte präsentieren gemeinsame Perspektiven auf der BBFK 2026
Vom 1. bis 3. Juli 2026 fand in Innsbruck die zehnte Österreichische Berufsbildungsforschungskonferenz (BBFK) statt. Die Veranstaltung versammelte rund 260 Teilnehmende aus Wissenschaft, Berufsbildungspraxis und -politik, um aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der beruflichen Bildung zu diskutieren. Unter dem Leitthema „Quo vadis Arbeitswelt? – Berufliche Praxis und berufliche Bildung auf dem Prüfstand“ standen die Veränderungen der Arbeitswelt sowie daraus resultierende Herausforderungen und Chancen für die Aus- und Weiterbildung im Mittelpunkt.
Unter dem Titel „Lernortkooperation: Mehr als wissen, was die anderen machen!“ wurde ein Forum entlang wissenschaftlicher und praxisorientierter Erkenntnisse aus den InnoVET PLUS[1]-Projekten „TiKoPLUS – Tierwohl, Kompetenz und Lernortkooperation“ und „BeConnect – Berufspädagogik Connect“ gestaltet. Auf der Basis von empirischen Daten wurden Herausforderungen, Potenziale und Entwicklungsbedarfe für die Zusammenarbeit zwischen den Lernorten in der beruflichen Bildung (Berufsschule, Ausbildungsbetrieb, überbetriebliche Ausbildung) aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert und in drei Beiträgen zur Diskussion gestellt.
Lernortkooperation aus der Perspektive von Berufsschulen
Der erste Beitrag von Prof. Dr. Silke Lange (Institut für Management, Universität Koblenz) und Gwenda Gaßel (Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Osnabrück) aus dem Projekt BeConnect betrachtete Lernortkooperation aus der Perspektive von Berufsschulen. Vorgestellt wurden die Ergebnisse einer Blitzumfrage, die gemeinsam mit dem niedersächsischen Berufsschullehrerverband im Oktober 2025 (n=171) durchgeführt wurde. Die Daten zeigen, dass Lernortkooperation unter Lehrkräften hoch legitimiert, die Umsetzung jedoch eher schwach ausgeprägt ist. Dies spiegelt sich auch in der Sicht der Auszubildenden wider, die Lernortkooperation zwischen ihrem Betrieb und weiteren Bildungsorten nur selten wahrnehmen. Die befragten Lehrkräfte aus Niedersachsen berichten, dass sie überwiegend problemorientiert und reaktiv mit den Kolleginnen und Kollegen anderer Lernorte kooperieren. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Lernortkooperation vor allem als organisatorische Aufgabe (informieren, problemorientierte Abstimmung z.B. zum Verhalten von Auszubildenden) und nicht als didaktische Praxis (gezielte Abstimmung z.B. von Ausbildungsinhalten, gemeinsame Gestaltung z.B. von Ausbildungselementen) wahrgenommen wird. Differenzen zeigen sich vor allem zwischen den Theorie- und den Fachpraxislehrkräften, wobei letztere eher in didaktischen Fragen kooperieren als die befragten Theorielehrkräfte. Lange und Gaßel bringt das zur abschließenden Frage, ob die didaktische Umsetzung von Lernortkooperation ein Ausdruck des individuellen betrieblichen Erfahrungswissens darstellt?
Die Beiträge aus dem TiKoPLUS-Projekt gestalteten Victoria Klages (Landwirtschaftliches Bildungszentrum Echem, Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Friederike Krause, Maximilian Loch und Prof. Dr. Rita Meyer (Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, Leibniz Universität Hannover).
Lernortkooperation in der regionalen Berufsbildungspolitik am Beispiel der Landwirtschaft
In dem zweiten Beitrag wurden Gestaltungspotenziale und Herausforderungen von Lernortkooperation im Kontext der landwirtschaftlichen Berufsausbildung unter Einbindung der Berufsbildungspolitik in Niedersachsen beleuchtet. Die Annäherungen an das Feld erfolgten aus einer Expert:innenbefragung. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die an der Lernortkooperation beteiligten Akteur:innen je eigene Zielvorstellungen verfolgen und deren Realisierung priorisieren. Daraus können Interessenkonflikte entstehen, insbesondere dann, wenn individuelle oder institutionelle Zielsetzungen voneinander abweichen. Unter der Annahme, dass Individuen und Institutionen Kooperationen vor allem dann eingehen, wenn sie daraus einen erkennbaren Nutzen ziehen, bedarf die Lernortkooperation einer verstärkten Verdeutlichung ihres jeweiligen Mehrwerts aus der Perspektive der beteiligten Akteure und Institutionen.
Lernortkooperation in (landwirtschaftlichen) Betrieben: Herausforderungen und Gestaltungspotenziale – erste empirische Annäherung
Auf der Grundlage von Interviews mit betrieblichem Bildungspersonal und angehenden Landwirt:innen wurde in dem dritten Beitrag zunächst die spezifische Ausbildungsrealität in der betrieblichen Berufsausbildung in der Landwirtschaft betrachtet. Insbesondere familiär geprägte Betriebsstrukturen beeinflussen die Sozialisations- und Lernerfahrungen von Auszubildenden in der landwirtschaftlichen Ausbildung. In diesem Zusammenhang sind die Grenzen zwischen der Sphäre des Privaten sowie des Beruflichen nicht trennscharf: Sowohl Auszubildende als auch Ausbildende nehmen eine enge soziale Einbindung wahr, die wechselseitig in einem erhöhten Engagement sowie einem Entgegenkommen (z. B. Bereitschaft zu unhinterfragter Mehrarbeit) zum Ausdruck kommt.
Mit Blick auf die Umsetzung von Lernortkooperation kann die enge Einbindung der Auszubildenden in den betrieblichen Kontext zu Anerkennungsproblemen gegenüber den anderen Lernorten führen. Dies äußert sich bspw. in einem ausgeprägten Vertrauen der Auszubildenden in die berufsbezogenen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse des Bildungspersonals im Lernort Betrieb.
Angesichts der Besonderheiten in der Umsetzung der landwirtschaftlichen Berufsausbildung ist Lernortkooperation nicht nur eine organisatorische Notwendigkeit, sondern eine wesentliche Voraussetzung für eine ganzheitliche und zukunftsorientierte berufliche Bildung. Durch die inhaltliche Verzahnung der Lernorte kann die berufliche Ausbildung über den Aufbau eines reinen Fachwissens hinausgehen und die Entwicklung einer umfassenden beruflicher Handlungskompetenz fördern.
Fazit
Sowohl das rege Interesse am Forum als auch die abschließende Diskussion der dargestellten Befunde und Annahmen zeigten die Bedeutung, die Berufsbildungsexpert:innen der Lernortkooperation beimessen. Die vorgestellten Erkenntnisse deckten sich mit den Erfahrungen der Anwesenden. In der Diskussion wurde Lernortkooperation als wichtiger Faktor für den Transfer hervorgehoben und betont, dass der gemeinsame Bildungsauftrag in der dualen Ausbildung nur durch Lernortkooperation realisiert werden kann. Positiv bewertet wurden zudem die Ansätze beider Projekte, Lernortkooperation über die Förderung von Begegnungen der Lernorte zu stärken. Zugleich wurden Leerstellen benannt: So fehle bislang eine Theoretisierung des Gegenstandes, und auch die Perspektive des informellen Lernens finde in der Auseinandersetzung mit Lernortkooperation bisher keine Berücksichtigung.
Die Gestaltung eines Forums auf der BBFK 2026 trug dazu bei, dass Erkenntnisse aus den Projekten TiKoPLUS und BeConnect, die durch die Drittmittelförderung in dem Programm InnoVET gefördert werden, innerhalb der Scientific Community der Berufs- und Wirtschaftspädagogik präsentiert und diskutiert werden konnten. Der Austausch zwischen Forschung und Praxis eröffnete neue Perspektiven für die Weiterentwicklung lernortübergreifender Kooperationen in der beruflichen Ausbildung.
[1] Mit dem Programm InnoVET fördert das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) bundesweit Projekte mit dem Ziel, die Attraktivität, Qualität und Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung zu steigern. Durchgeführt wird das Programm vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
April 2026:
Lernortkooperation weiterdenken – vertiefende Impulse für die landwirtschaftliche Ausbildung
Im Rahmen des InnoVET PLUS Projekts „TiKoPLUS – Tierwohl, Kompetenz und Lernortkooperation“ wurde basierend auf den Ergebnissen eines ersten Kreativforums ein zweites Kreativforum zu der Thematik der Lernortkooperation durchgeführt. Dieses fand am 10. April 2026 im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Echem (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) statt. Die Kreativforen dienen der Vernetzung von Akteur:innen in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung und der Förderung eines gemeinsamen Austausches in Hinblick auf die Lernortkooperation. So wurden im zweiten Kreativforum die praktische Ausgestaltung der Lernortkooperation sowie konkrete didaktisch-methodische Umsetzungsmöglichkeiten in Bezug auf Tierwohlthemen fokussiert.
Blackbox Lernortkooperation: Herausforderungen und Gestaltungsspielräume
Der Betrieb als pädagogisches Handlungsfeld
Landwirtschaftliche Betriebe sind im Zuge der landwirtschaftlichen Berufsausbildung als pädagogische Handlungsfelder zu verstehen. Lernen findet hier vor allem praxisnah und im konkreten Arbeitsprozess statt, wobei pädagogisches Handeln häufig intuitiv in den Ausbildungsalltag eingebettet wird. Aufgrund der steigenden Heterogenität der Auszubildenden und zunehmenden Anforderungen an das betriebliche Bildungspersonal zeigt sich ein Bedarf an unterstützenden Fortbildungsangeboten.
Dabei steht weniger die Einführung formaler pädagogischer Konzepte im Vordergrund als vielmehr die Stärkung einer reflektierten pädagogischen Haltung. Grundlegende Kompetenzen im Bereich Methodik und Didaktik sind von essenzieller Bedeutung und sollen Betriebe pädagogisch unterstützen, ohne sie durch zusätzliche Anforderungen zu überfordern.
Der Betrieb als Lern- und Sozialisationsort im Wandel
Klassische Formen betrieblicher Sozialisation – wie etwa das Wohnen auf dem Hof – nehmen zunehmend ab, wodurch informelle Lerngelegenheiten nach Dienstende sukzessive abnehmen. Gleichzeitig prägt die betriebliche Sozialisation weiterhin maßgeblich die berufliche Identitätsentwicklung der Auszubildenden. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen betrieblicher Sozialisation auf der einen und beruflicher Identitätsentwicklung der Auszubildenden auf der anderen Seite. Dieses Spannungsfeld geht aufgrund steigender Heterogenität der Auszubildenden mit Herausforderungen für alle Lernorte einher.
Persönliche Kommunikation als entscheidender Faktor
In den Diskussionen zur Umsetzung der Lernortkooperation wurde deutlich, dass Kommunikation zwischen den Lernorten häufig zweck‑ und problemorientiert stattfindet und stark von persönlichen Kontakten abhängig ist. Unklare Kommunikationswege, fehlende Kontaktdaten und begrenzte zeitliche Ressourcen erschweren einen kontinuierlichen Austausch. Insbesondere eine stärkere Verzahnung zwischen den Lernorten Schule und Betrieb hinsichtlich gemeinsamer Projekte und Aufgabenformate wird als zielführend erachtet.
Lernortkooperation am Beispiel von Tierwohlthemen
Wie kann Lernortkooperation auf das nächste Level gehoben werden? Für die praxisnahe Umsetzung von Lernortkooperation wurden drei konkrete tierwohlbezogene Lernformate entwickelt und diskutiert:
- Die Großmethode „Experiment“, am Beispiel tierbezogener Indikatoren, eignet sich besonders zur systematischen Sensibilisierung für Tierwohl und verknüpft praktisches Handeln mit theoretischem Wissen. Dieses Lernformat ist jedoch mit einem hohen Abstimmungs- und Koordinationsaufwand im Rahmen der Lernortkooperation verbunden.
- Die Großmethode „Fallstudie“ wird am Beispiel einer Verhaltensbeobachtung von Tieren durchgeführt. Dies erweist sich vor allem in den frühen Ausbildungsjahren als niedrigschwelliger, motivierender Einstieg, der die Fähigkeit zur Reflexion fördert. Zugleich erfordert dieser Ansatz klare Regelungen zum Umgang mit Bild- und Videomaterial und fördert zusätzlich Medienkompetenzen.
- Die Großmethode „Praxisaufgabe“ dient der Förderung von Verantwortung für das Tier. Insgesamt besitzt dieses Lernformat das größte Entwicklungspotenzial: Sie spricht fachliche, soziale und personale Kompetenzen gleichermaßen an. Gleichzeitig stellt sie hohe Anforderungen an Organisation und Begleitung durch das Bildungspersonal.
Insgesamt wird deutlich, dass alle entwickelten Lernformate – bei passender Rahmung und klaren Absprachen – wertvolle Beiträge zur Tierwohlbildung und einer Qualitätssteigerung der Lernortkooperation leisten können. Hieraus ergibt sich ein hohes pädagogisches Potenzial für die berufliche Ausbildung. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von didaktischer Struktur, praxisnaher Gestaltung und verlässlicher Kooperation zwischen den Lernorten.
Fazit und Ausblick
Das zweite Kreativforum verdeutlicht erneut, dass Lernortkooperation kein standardisiertes Konzept ist, sondern ein dynamischer Gestaltungsprozess. Dieser hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen der beteiligten Akteur:innen ab. Zugleich wird deutlich, dass insbesondere gemeinsame Aufgabenformate mit Praxisbezug ein hohes Potenzial bieten, Lernorte stärker miteinander zu vernetzen und die Ausbildungsqualität nachhaltig zu verbessern.
Die im Kreativforum gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die weitere Konzeptentwicklung im Projekt TiKoPLUS ein. Ziel bleibt es, praxistaugliche, anschlussfähige und übertragbare Lösungsansätze zur Stärkung der Lernortkooperation in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung zu entwickeln und im weiteren Projektverlauf zu erproben. Des Weiteren wird die Professionalisierung des Bildungspersonals weiter fokussiert, indem Fortbildungsmöglichkeiten entwickelt werden. Das nächste Kreativforum findet im November 2026 statt.
Mit dem Programm InnoVET fördert das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) bundesweit Projekte mit dem Ziel, die Attraktivität, Qualität und Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung zu steigern. Durchgeführt wird das Programm vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
November 2025:
Kreativforum: Neue Ideen für die Lernortkooperation in der Landwirtschaft
Wie lässt sich die Lernortkooperation in der landwirtschaftlichen Ausbildung stärken und damit die Ausbildungsqualität verbessern? Das InnoVET PLUS-Projekt TiKoPLUS brachte dafür Praxis, Wissenschaft und Bildungsgestaltung zusammen.
Megatrends wie Digitalisierung und Technologisierung, steigende Anforderungen an das Tierwohl sowie eine wachsende Heterogenität der Auszubildenden erhöhen die Anforderungen an das berufliche Bildungspersonal deutlich. Eine intakte Lernortkooperation könnte hier helfen. Gleichzeitig gilt Lernortkooperation als „eines der meist gewünschten und am wenigsten realisierten Ziele der Berufsausbildung“.
Lernortkooperation ist seit 2005 im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert, wird in der Praxis jedoch vielerorts noch nicht konsequent umgesetzt. Häufig agieren die Lernorte als weitgehend entkoppelte Parallelsysteme, die vor allem anlassbezogen oder organisatorisch miteinander kommunizieren.
Im InnoVET PLUS-Projekt TiKoPLUS – Tierwohl, Kompetenz und Lernortkooperation entwickelt das Projektteam neue Ansätze und stärkt bestehende Strukturen der Lernortkooperation in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung. Ziel ist es, die Qualität der Ausbildung zur Landwirtin und zum Landwirt nachhaltig zu verbessern.
Kreativforum als Impulsgeber für neue Lösungsansätze
Das TiKoPLUS-Team lud am 07.11.2025 zum Kreativforum ein, um Herausforderungen, Chancen und Verbesserungspotenziale von Lernortkooperationen zu erarbeiten und zu diskutieren. Dazu wurden Impulsgebende aus der Praxis, aber auch Entscheidungsträger/-innen aus den Gestaltungsebenen beruflicher Bildung am Standort Hannover-Ahlem der Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfangen.
Nach der Vorstellung des Projekts und erster Ergebnisse arbeiteten die Teilnehmenden in Workshop-Formaten an zentralen Fragestellungen. Unterschiedliche Perspektiven aus Praxis, Bildungsgestaltung und Entscheidungsebenen flossen zusammen, Ideen wurden gebündelt und erste Lösungsansätze entwickelt.
Gemeinsame Ideen, klare Impulse
Das Kreativforum vereinte die theoriegeleiteten Ergebnisse der Dokumentenanalyse mit den Eindrücken zur Lernortkooperation aus der Praxis. Als zentrale Ansatzpunkte für eine verbesserte Lernortkooperation wurden genannt:
- eine zentrale Lernplattform,
- mehr Transparenz über Lernstände, -inhalte und Termine,
- ein verlässlicher, strukturierter Austausch zwischen den Lernorten (formell und informell).
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der regelmäßigen Weiter- und Fortbildung des Bildungspersonals. Mit Blick auf die wachsende Heterogenität der Auszubildenden wurde die Möglichkeit und die Notwendigkeit der regelmäßigen Auffrischung der Ausbildereignung diskutiert. Zusätzlich wurde die Idee eingebracht, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler aktiv in die Gestaltung von Lehr-Lerneinheiten einzubinden. Diese Zusatzleistung könnte dann auf weiterführende Qualifikationen angerechnet werden.
Die Bedeutung einer stärkeren Einbindung aller Akteurinnen und Akteure in bestehende Gremien wurde ebenfalls hervorgehoben. Dadurch ließe sich Wissen bündeln und Abstimmungen transparenter und einfacher gestalten. Zudem wurden kritische Faktoren wie beispielsweise die Verfügbarkeit zeitlicher Kapazitäten und Barrieren durch datenschutzrechtliche Bestimmungen, hervorgehoben.
Fazit
Für eine funktionierende und nachhaltige Lernortkooperation braucht es klare Kommunikation, gemeinsame Ziele sowie geeignete institutionelle und digitale Strukturen. Ein regelmäßiger Austausch, transparente Zuständigkeiten und eine gute Qualifizierung des Bildungspersonals wurden als entscheidende Faktoren benannt.
Im InnoVET PLUS-Projekt „TiKoPLUS“ wird mit den Ergebnissen des Kreativforums weiter an Konzepten für eine Stärkung und Etablierung von Lernortkooperationen in der landwirtschaftlichen Ausbildung gearbeitet und geprüft, welche Lösungsansätze im Projektrahmen realisierbar sind. Das nächste Kreativforum findet im April 2026 statt.
Rückblick auf „Tierschutzkompetenz“
Das Projektkonsortium entwickelte bereits im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens „Tierschutzkompetenz“ (2021 – 2024) des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) neun innovative und kompetenzorientierte Lehr-Lernkonzepte in der überbetrieblichen landwirtschaftlichen Ausbildung. Diese wurden am LBZ analysiert und erprobt. Es wurden auch offene Anknüpfungspunkte und Optionen integriert, die eine Übertragung und Anwendung auf andere landwirtschaftliche Bereiche zulassen. Ziel war es bei der Entwicklung dieser innovativen Lehr-Lernkonzepte, verstärkt Kompetenzen wie ein angemessenes Verständnis von Tierwohl, vertiefendes Wissen über arteigene Verhaltensweisen und Bedürfnisse von Schweinen und Rindern sowie auch die Fähigkeit zur Tierbeobachtung und Problemerkennung in die Ausbildung zu integrieren.
Im Projekt wurden zwei quantitative Untersuchungen durchgeführt: eine Online-Umfrage mit 340 teilnehmenden Landwirt/-innen mit einer Ausbildungsberechtigung für Rind und/oder Schwein, um unter anderem ihr Tierwohlverständnis, die Nutzung von Tierwohl-Werkzeugen auf ihren Betrieben oder Fortbildungswünsche in Erfahrung zu bringen. Darüber hinaus beantworteten 251 landwirtschaftliche Auszubildende unter anderem Fragen über ihre beruflichen Perspektiven und Erwartungen, ihren Vorstellungen zum Thema Tierwohl sowie persönliche Wünsche für Lernprozesse. Außerdem wurden Interviews mit dem Ausbildungspersonal am LBZ sowie mit Auszubildenden dort in der Überbetrieblichen Ausbildung geführt.
Sämtliche erarbeitete Lehr-Lerninhalte finden Sie frei zugänglich in der Infothek unter https://www.gruenetalente-niedersachsen.de/ilias.php?baseClass=ilrepositorygui&ref_id=159.
Weitere Informationen zu dem Projekt „Tierschutzkompetenz“ erhalten Sie unter https://www.lbz-echem.de/?action=news&article=38857.



