© Andreas Tamme

Tierschutzkompetenz – tierwohlorientierte Handlungskompetenz in der beruflichen Ausbildung

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Das LBZ Echem startete im November 2021 gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Tierwohl des Thünen-Instituts (TI) für Ökologischen Landbau und dem Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung (IfBE) der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover das dreijährige Projekt "Entwicklung tierwohlorientierter Handlungskompetenz zur Gewährleistung von Tierschutz – Lehr- und Lernkonzepte zur beruflichen Aus- und Weiterbildung". 


Die Intensität und Methoden, mit denen die Themen Tierschutz und Tierwohl bislang in der landwirtschaftlichen Ausbildung verankert sind, genügen zukünftigen Herausforderungen in der Nutztierhaltung nicht mehr. Neue und innovative Lehr-Lernkonzepte sollen daher entwickelt werden, die eine umfassende tierwohlorientierte Handlungskompetenz stärker fördern.

 

Die Begrifflichkeiten „Tierwohl, Tiergerechtheit und Tierschutz“ werden nachfolgend definiert und im Projekt „Tierschutzkompetenz“ so verwendet:

Der Begriff „Tierwohl“ beschreibt den Zustand eines Tieres im Hinblick auf seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen. Unter Tierwohl als deutschsprachige Entsprechung des englischsprachigen „animal welfare“ wird ein multidimensionales Konzept verstanden, wobei die verschiedenen Aspekte von Tierwohl drei übergeordneten Dimensionen zugeordnet werden können: der Tiergesundheit (basic health and functioning), Natürlichkeit bzw. die Ausführung natürlicher Verhaltensweisen (natural living) und dem Befinden (affective states) (Fraser et al., 1997, S. 187-205; Fraser, 2008).

„Tiergerechtheit“ hingegen fokussiert auf den Zustand eines Haltungssystems und beschreibt, „in welchem Maß ein Haltungssystem dem Tier die Voraussetzungen zur Vermeidung von Schmerzen, Leiden und Schäden sowie zur Sicherung von Wohlbefinden bietet“ (Knierim, 2002).

„Tierschutz“ wiederum bezeichnet alle menschlichen Aktivitäten, die darauf abzielen, ein bestimmtes Tierwohlniveau zu erreichen oder zu sichern. Dazu zählen auch, aber nicht nur ordnungsrechtliche Maßnahmen (Knierim, 2016). Die beiden Begriffe Tierschutz und Tierwohl geben unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Phänomen wieder (ebd.).

 

Hintergrund und Zielsetzung

Seit 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert (Art. 20a GG). Darüber hinaus stehen neben dem Tierschutzgesetz eine breite Palette an bundes- und landesweit geltenden Tierschutzverordnungen und Leitlinien für den Tierschutz zur Verfügung.

Verschiedene Methoden und Werkzeuge zur Erfassung des Tierwohls in Praxisbetrieben und zur Überprüfung der Haltungsbedingungen anhand tier- und ressourcenbezogener Indikatoren stehen zur Verfügung und wurden bereits auf Praxistauglichkeit geprüft. Ein Beispiel eines solchen Indikatorensets sind die „Tierschutzindikatoren: Leitfäden für die Praxis – Rind, Schwein und Geflügel“ (Hrsg. KTBL, 1. Auflage 2016, 2., aktualisierte Auflage 2020).

Die Praxisforschung zeigt jedoch seit Jahren, dass die Tierwohllage in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung nicht zufriedenstellend ist und viele Betriebe Optimierungs- und Handlungsbedarf aufweisen. Tierhalter*innen schätzen häufig die Tiergesundheits- und Tierwohlsituation im eigenen Betrieb nicht korrekt ein (Stichwort „Betriebsblindheit“) und unterschätzen beispielweise das Auftreten von Lahmheiten oder sonstigen Produktionskrankheiten.

Wir gehen davon aus, dass die Schlüsselrolle für eine Sensibilisierung für Tierwohl als relevanter Faktor der Prozessqualität in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung in der Ausbildung zukünftiger Landwirt*innen liegt.

Auch können über eine proaktive und regelmäßige Erhebung von Tierwohlindikatoren im eigenen Betrieb und das genaue Beobachten der Tiere die Empathie für das anvertraute Tier gefördert werden. Diese Bewusstseinsbildung findet bisher in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung nur unzureichend statt.

Ziel des geplanten Projektes ist es daher, Konzepte, Werkzeuge und Lehr-, Lern- sowie Schulungsmaterialien zur Erhebung von tierbezogenen Indikatoren für Tierwohl zu entwickeln, die sich als valide, reliabel und praktikabel erwiesen haben. Unter den Bedingungen der zunehmend technisierten und digitalisierten Arbeit in der landwirtschaftlichen Tierhaltung und der damit einhergehenden Distanzierung vom Tier sollen die Auszubildenden so stärker für das Thema sensibilisiert werden und damit eine Handlungskompetenz entwickeln. Eine hohe Tierwohlkompetenz erfordert sowohl Wissen über das jeweilige Tier und seine Bedürfnisse, als auch Fähigkeiten im Umgang mit den Tieren sowie eine empathische Einstellung ihnen gegenüber. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der Bedeutungszunahme von Prozessqualität und Tierschutz in der Nutztierhaltung von Relevanz. Dabei sind insbesondere die Diagnosefähigkeiten gegenüber dem Tier zentral. Entscheidend ist die Fähigkeit zum selbstreflexiven und verantwortungsvollen Handeln im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Betriebsführung, (digitalisierter) Technik und Tierwohl.

Es sollen innovative Lehr-Lernkonzepte entwickelt werden, die den Lernenden ein klares Verständnis von Tierwohl ermöglichen, ihr Wissen über natürliches Verhalten von Rindern und Schweinen und den daraus entstehenden Bedürfnissen vertiefen, ihre Fähigkeiten zur Tierbeobachtung und Problemerkennung ausbauen und ihr Interesse und ihre Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex wecken, um den Erwerb einer Tierwohlkompetenz zu ermöglichen.

Zielgruppen

  1. Auszubildende im Ausbildungsberuf zur Landwirt*in oder Tierwirt*in
  2. Ausbilder*innen der Ausbildungsbetriebe
  3. Absolvent*innen der Meisterkurs Landwirt*in / Tierwirt*in
  4. Student*innen der Landwirtschaft im Praktikum

Vorgehensweise

In unserem im November 2021 gestarteten Projekt bearbeiten folgende drei Kooperationspartner*innen das oben genannte Thema

Das LBZ koordiniert dabei die einzelnen Arbeiten der Projektpartner*innen und verantwortet den projektinternen Informationsaustausch, die Projekttreffen, sowie das Berichtswesen an den Fördermittelgeber.

Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse der Projektpartern*innen TI und IfBE entwickelt das Team des LBZ Echem jeweils drei Lehr-Lernkonzepte in vier zielgruppenspezifischen Modulen für die Rinder- und Schweinehaltung mit entsprechenden Lehrmaterialien.

Um Praxiseinheiten durchführen zu können, sollen zwei Tiertransportanhänger (jeweils für Rinder und Schweine) konzipiert und erstellt werden. Diese sollen so konstruiert sein, dass im Rahmen der Übung unterschiedliche Szenarien erprobt werden können, z.B. unterschiedliche Beleuchtung, Rampenneigung und Witterungsschutz. So kann die in der Praxis häufig mit Stress verbundene Treibe- und Verladesituation in der Simulation praktisch geübt werden. Dabei sollen die Lehrgangsteilnehmenden vor allem für die zahlreichen Möglichkeiten der Stressminderung sensibilisiert werden.

Neben den Lehr-Lernkonzepten die den bundesweiten Überbetrieblichen Ausbildungsstätten zur Verfügung gestellt werden, sollen mediale, die unterschiedlichen Wahrnehmungskanäle unterstützende Lehrmittel entstehen, die den Erwerb im Nachgang festigen sollen. Denkbar wären hier E-Learning Formate, Video-Tutorials, Podcasts und Apps.

 

Vorläufige Ergebnisse

Das Projekt hat im November 2021 begonnen, daher liegen noch keine Ergebnisse vor.

 

Links und Downloads

https://www.mud-tierschutz.de/mud-tierschutz/wissen-dialog-praxis/ausbildung/tierschutz-erleben

 

Ansprechpartner im LBZ Echem

Beteiligte Mitarbeiter im LBZ Echem

Fördermittelgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Zeitraum

11.2021 – 10.2024

 

Weitere Projektdaten

Projektfördernummer: 2820MDT122

Projektstatus: läuft


Förderlogo BMEL - © BMEL
Förderlogo BMEL - © BMEL

 

Das Projekt ist Teil der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz in der Projektphase Wissen-Dialog-Praxis. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).“

Stand: 01.07.2022


Kontakt:
Benito Weise
Koordinator Überbetriebliche Ausbildung
Telefon: 04139 698-142
Telefax: 04139 698-100
E-Mail:


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"Ausgleichszulage"

Mit dieser Maßnahme werden landwirtschaftliche Betriebe in Gebieten unterstützt, die aus erheblichen naturbedingten Gründen benachteiligt sind. Ziel ist die dauerhafte Nutzung durch die Landwirtschaft und der Erhalt von nachhaltigen Bewirtschaftungsformen.

"Tierschutz"

Mit dieser Maßnahme wird die besonders tiergerechte Haltung von Mastsschweinen und Legehennen unterstützt.






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