Echemer Pferdebrille in Vorbereitung

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Webcode: 01038002

Nach der Entwicklung der Echemer Kuhbrille soll die Technik nun auf die optische Wahrnehmung von Pferden übertragen werden. Die Entwicklung der neuen Software kann nach einer Förderzusage durch die Gesellschaft für Pferdemedizin beginnen.


Ziel des Projektes ist es, die bereits geschafften Grundlagen zur Entwicklung einer „Pferdebrille“ zu nutzen und um die akustische Wahrnehmung zu ergänzen. Im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung zur Haltung von Pferden ergeben sich durch das unmittelbare Erleben der optischen und akustischen Wahrnehmung beim Pferd sehr breite Anwendungsmöglichkeiten:

  • Erleben der Umgebung mit den visuellen und auditiven Sinneseindrücken des Tieres (Sensibilisierung und Empathiebildung)
  • Verstehen der sich daraus ergebenen Verhaltensweisen des Pferdes
  • Ableitungen für tiergerechten Umgang, z.B. beim Reitsport
  • Ableiten für Grundsätze für eine tiergerechte Planung, z.B. bei Laufgängen oder Parcours
  • Gezielte Untersuchung von Stressursachen wie z.B. Geräuschen
  • Rückschlüsse auf angepasste Tierdichte (Individualdistanz)
  • Bildung von Verständnis für Tierreaktionen
  • Vermeidung von Unfällen mit Tieren

Nutzer*innen des Systems sind in der Lage, differenziert zu untersuchen, wie bestimmte Orte in der Haltungsumgebung, bestimmte Abläufe und die Geräuschkulissen von den Pferden wahrgenommen werden, um somit konkrete Rückschlüsse auf Verbesserungen hinsichtlich Tiergerechtheit, Tierwohl und Unfallvermeidung zu ziehen.

Derzeit wird zum Sehfeld bei Pferden im Wesentlichen Folgendes angenommen:

  1. Pferde sehen in einem 330° Sichtbereich nach oben unten und hinten.
  2. Räumliches Sehen ist nur in einem 30° Bereich nach vorn gegeben.
  3. Die Augen der Pferde können kaum akkommodieren, es gibt nur einen kleinen Nahbereich mit hoher Sehschärfe, sonst entspricht die Sehschärfe etwa 30% der menschlichen Sehschärfe.
  4. Das Sehfeld von Pferden ist im Frontbereich vertikal in einen Schärfe- und einen Unschärfebereich geteilt.
  5. Pferde sind Dichromaten (ausgeprägte Rot-Grün-Schwäche).
  6. Pferde nehmen Kontraste in höherem Maße wahr
  7. Die Anpassung bei Veränderung der Beleuchtungsstärke ist deutlich verzögert.
  8. Pferde nehmen ca. 30-60 Einzelbilder pro Sekunde wahr.

Zum Hören bei Pferden wird Folgendes angenommen:

  1. Pferde hören allgemein besser als der Mensch, das heißt z.B., dass Geräusche, die der Mensch als sehr laut empfindet bei Pferden u.U. Schmerzen verursachen können
  2. Pferde hören im oberen Frequenzbereich bis ca. 35 kHz sehr deutlich, der Mensch nimmt Schallwellen nur bis ca. 17 - 20 kHz wahr.
  3. Pferde hören im Bereich 8 kHz am besten, der Mensch bei 4 kHz
  4. Pferde können ihre Ohren unabhängig voneinander zum wahrgenommenen Geräusch ausrichten

In Zusammenarbeit mit dem Softwarehaus C.O.M. Computer Output Management GmbH aus Wetzlar wird nun an der Software für die "Pferdebrille" gearbeitet.

Die Gesellschaft für Pferdemedizin ermöglicht die "Konzeption und Realisierung eines elektronischen Systems zur Darstellung der optischen Wahrnehmung bei Pferden zur Aus-, Fort- und Weiterbildung" durch eine finanzielle Förderung.

Stand: 07.01.2021


Kontakt:
Benito Weise
Koordinator Überbetriebliche Ausbildung
Telefon: 04139 698-142
Telefax: 04139 698-100
E-Mail: