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Kuh im Klauenstand
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Professionelle Klauenpflege
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Auch ein Beruf für Mädchen

Klauenpfleger: Pediküre für die Milchkuh

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von Niko Mammen

Auch Kühe brauchen gepflegte Füße – allerdings nicht der Schönheit wegen. Diesen Job übernehmen Klauenpfleger. Sie schneiden die Hufe von Paarhufern und beugen so Fehlstellungen vor. Im nachfolgenden Bericht lesen Sie über den Joballtag eines Klauenpflegers. ZEIT ONLINE veröffentlichte ihn unter „Beruf der Woche“.


Wenn Klauenpfleger Johann Steinberg seinen Kundinnen die Füße herrichtet, kommt es weniger auf Schönheit an. Steinberg arbeitet als Klauenpfleger und macht quasi medizinische Fußpflege für Paarhufer. Seine Kunden sind Kühe, Ziegen, Schweine, Schafe. "Die Pflege der Gliedmaßen ist wichtig für diese Tiere, denn sonst können sie nicht richtig stehen", sagt Steinberg. Denn wachsen die Klauen zu lange und nicht gleichmäßig, beeinträchtigt dies den Stand der Tiere.

"Die Außenklaue und Innenklaue bei Paarhufern wachsen wegen unterschiedlicher Belastungen bei der Bewegung unterschiedlich stark. Das führt mit der Zeit zu einem ungleichen Stand. Darum müssen die Klauen angeglichen werden", sagt Steinberg. Um Schönheit geht es bei der Klauenpflege nur im Ausnahmefall. Etwa dann, wenn die Tiere schick gemacht werden für eine Schau oder Ausstellung.

Doch wie schneidet man einer Kuh die Hufe? In der Regel sind Kühe nicht so wie Reitpferde auf die Pflege trainiert. Und meist hat der Klauenpfleger auch eine ganze Herde zu versorgen. Damit sich weder Tier noch Mensch dabei verletzen arbeiten Klauenpfleger mit einem sogenannten Durchtreibestand, der auch Klauenstand genannt wird. Das ist eine große Box aus stabilen Eisenrohren, in der die Hufe ungefährlich von außen der Box beschnitten werden können. Manchmal wird auch ein Kippstand eingesetzt, in dem die Tiere fixiert und auf die Seite gelegt werden. Weil dies aber sehr stressig für die Tiere ist, kommen Kippstände nur selten vor.

Für seine Arbeit benötigt Steinberg unterschiedliche Zangen, Messer, Scheren und auch elektrischen Werkzeuge wie etwa Schleifgeräte. Mit den Zangen kürzt er anfangs die Hufen. Für Kühe etwa gilt eine Länge von 7,5 cm als gesund. Die Klauen werden auf diese Länge angeglichen, das überflüssige Hornmaterial abgeschliffen.

Auch Verwachsungen werden entfernt, dann reinigt Steinberg die Hufe intensiv, damit Krankheitserreger zwischen den Klauen keinen Schaden anrichten können.
Bei seiner Arbeit muss der Klauenpfleger vorsichtig sein. Er darf nur abgestorbenes Horn abschneiden, nicht aber das Lebendgewebe. Der Unterschied ist oft gar nicht so leicht zu erkennen.

Der Beruf ist nicht geschützt, eine Ausbildung im klassischen Sinne wird nicht angeboten. Es gibt aber ein mehrstufiges Fortbildungssystem (Grundkurs für die eigenen Tiere und weitere Fortbildungen, will man in anderen landwirtschaftlichen Betrieben die Tiere versorgen).

Grüner Beruf ist von Vorteil

Die allermeisten Klauenpfleger kommen aus der Landwirtschaft, haben ohnehin viel mit Nutztieren zu tun oder sind ausgebildete Tierpfleger oder Tierwirte. Wer diese Tätigkeit hauptberuflich ausüben will, sollte außerdem von einem erfahrenen Klauenpfleger lernen, sagt Steinberg. "Dann schneidet man unter Aufsicht auch selber, um Erfahrung und Sicherheit zu bekommen." Am Ende der Fortbildungen müssen jeweils theoretische und praktische Prüfungen abgeschlossen werden.

Während ihrer Weiterbildungen lernen die Pfleger nicht nur die Anatomie der Tiere kennen, sie bekommen auch den Umgang mit den unterschiedlichen Werkzeugen erklärt. Zusätzlich lernen sie alles über Hygiene und die Entstehung und Vorbeugung von Krankheiten.

Klauenpfleger benötigen viel Geduld und Liebe für die Tiere und sollten selbst ein ruhiges Wesen besitzen. "Huftiere sind sehr sensibel und jede Aufregung beim Menschen überträgt sich auf das Tier", sagt Steinberg.

In der Regel arbeitet man als Selbstständiger. Viele üben die Tätigkeit auch nur im Nebenerwerb aus. Je nach Anzahl der Tiere, die bearbeitet werden sollen, arbeiten Klauenpfleger mitunter auch in Teams von zwei bis vier Personen. "Bei Landwirtschaftsbetrieben mit 500 bis 600 Tieren ist man mit vier Leuten durchaus auch mal einige Tage beschäftigt", sagt Steinberg. Ein erfahrender Pfleger brauche pro Tier etwa zehn Minuten. Alleine könne man in sieben Stunden etwa 50 Tiere schaffen. Ist das nicht Fließbandarbeit? Nein, sagt Steinberg. "Jedes Tier ist anders. Ich muss immer überlegen, wie ich an die Arbeit herangehe." Deshalb sei es auch besser, sich etwas mehr Zeit zu nehmen. "Wir arbeiten immer zum Wohle des Tieres."

Und wie sieht es mit dem Verdienst aus? Zwischen 8,50 bis 11 Euro pro Tier kostet die Pflege je nach Tierart. Die Berufsaussichten sind gut. "Wir suchen händeringend Nachwuchs in der Branche, der Beruf ist leider nicht sonderlich gefragt", sagt Steinberg.

Steinberg kann das nicht nachvollziehen. Für ihn überwiegen die positiven Seiten. "Ich arbeite mit beeindruckenden Geschöpfen, das ist Tag für Tag immer wieder etwas Besonderes."
• Arbeitszeit: variiert, je nach Betriebsgröße und Auftraggeber
• Verdienst: pro Tier etwa 8,50 bis 11 Euro
• Ausbildung: mehrstufiges Ausbildungssystem, Ausbildung in einen grünen Beruf ist von Vorteil
(Verfasser: Markus Schleufe, ZEIT ONLINE)

Stand: 15.01.2016


Kontakt:
Niko Mammen
Fachreferent Klauenpflege, Weiterbildung
Telefon: 04139 698-113
Telefax: 04139 698-100
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